Es gibt sie noch:
Analoge Telefonanlagen im digitalen Zeitalter

Analoge Telefontechnik gilt vielfach als überholt. Dennoch existieren in Österreich noch immer mehrere hunderttausend analoge Telefonanschlüsse. Für Privatanwender, kleinere Unternehmen, Werkstätten oder Vereine kann eine einfache analoge Telefonanlage deshalb auch heute noch eine interessante und kostengünstige Lösung darstellen.

ISDN, SIP, VoIP und All-IP im Detail –
Ein technischer Blick auf moderne Kommunikationstechnologien

Die Telekommunikation hat in den letzten Jahrzehnten einen massiven Wandel durchlaufen. Klassische leitungsvermittelte Netze (ISDN) werden nach und nach abgeschaltet, und IP-basierte Lösungen (VoIP, SIP, All-IP) übernehmen die gesamte Kommunikation. In diesem Beitrag möchte ich einen Schritt tiefer gehen: Wir schauen uns die Protokolle, Ports und konkrete Beispiele an, die den Unterschied zwischen den Technologien verdeutlichen.

ISDN – Leitungsvermittlung mit D-Kanal-Signalisierung

ISDN (Integrated Services Digital Network) ist ein leitungsvermitteltes Netz, bei dem Sprach- und Steuerdaten strikt getrennt übertragen werden:

  • B-Kanäle (Bearer): 64 kbit/s pro Kanal für Sprach- oder Nutzdaten
  • D-Kanal (Delta): 16 kbit/s für Signalisierung (bei Basisanschluss)

Protokollstapel ISDN (vereinfacht)

  • Layer 1 (Physisch): 2-Draht-Leitung (S0-Bus, Up0), 144 kbit/s Bruttodatenrate
  • Layer 2: LAPD (Link Access Protocol for the D-Channel)
  • Layer 3: Q.931 (Signalisierungsprotokoll für Rufaufbau/-abbau)

Beispiel für eine Q.931 SETUP-Nachricht (stark vereinfacht):

Message Type: SETUP (0x05)
Bearer Capability: Speech
Calling Party Number: +4355132100 
Called Party Number: +436642008100

Damit konnte ISDN mehrere gleichzeitige Dienste (Sprache, Fax, Daten) parallel betreiben – allerdings mit starren Kanalstrukturen und limitierter Skalierbarkeit.

VoIP – Sprache als IP-Pakete

Mit VoIP (Voice over IP) wird Sprache paketvermittelt übertragen. Anders als bei ISDN gibt es keine festen Kanäle – Sprachdaten werden in IP-Pakete gekapselt und wie normaler Internetverkehr verschickt.

Typischer Protokollstapel VoIP

  • Layer 3: IP (IPv4/IPv6)
  • Layer 4: UDP (in seltenen Fällen TCP)
  • Layer 5+: RTP (Real-time Transport Protocol) für Sprachübertragung

Standard-Ports VoIP

  • RTP: dynamisch, meist UDP 10000–20000
  • RTCP: Kontrollprotokoll für RTP, Portbereich identisch
  • SIP (für Signalisierung, siehe unten): Standard-Port 5060 (UDP/TCP), 5061 (TLS)
RTP (Real-time Transport Protocol)
Version: 2
Payload Type: G.711 (PCMU)
Sequence Number: 34567
Timestamp: 123456789
SSRC: 0x9a12bc34
Payload: [160 Bytes Sprachdaten]

Sprachqualität hängt bei VoIP von Codecs (z. B. G.711: 64 kbit/s, G.729: 8 kbit/s, Opus: variabel) sowie von Latenz und Paketverlusten ab.

SIP – das Steuerprotokoll für VoIP

Während RTP die Sprachdaten überträgt, übernimmt SIP (Session Initiation Protocol, RFC 3261) die Signalisierung. Es ist ein textbasiertes Protokoll, das stark an HTTP erinnert.

Standard-Ports

  • SIP über UDP/TCP: 5060
  • SIP über TLS (verschlüsselt): 5061

Typische SIP-Nachrichten

Beispiel: SIP INVITE (verkürzt)

INVITE sip:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. SIP/2.0
Via: SIP/2.0/UDP 192.168.1.10:5060;branch=z9hG4bK-524287-1---aabbccdd
Max-Forwards: 70
From: "Max Mustermann" ;tag=12345
To:
Call-ID: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
CSeq: 1 INVITE
Contact:
Content-Type: application/sdp
Content-Length: 200
v=0
o=- 12345 67890 IN IP4 192.168.1.10
s=VoIP Call
c=IN IP4 192.168.1.10
t=0 0
m=audio 10000 RTP/AVP 0
a=rtpmap:0 PCMU/8000

👉 Der untere Teil (SDP = Session Description Protocol) beschreibt, wie die Medienströme laufen sollen (Port 10000, Codec PCMU/G.711).

SIP ist modular erweiterbar und unterstützt neben Telefonie auch Video (H.264, VP8), Messaging (SIMPLE) oder Presence-Informationen.

All-IP – Konsolidierung aller Dienste

All-IP ist keine einzelne Technologie, sondern eine Netzstrategie: Alle Kommunikationsdienste – Telefonie, Internet, TV – laufen über eine gemeinsame IP-Infrastruktur.

Vorteile

  • Reduktion paralleler Netze (kein ISDN-Core mehr, nur noch IP-Backbone)
  • Flexiblere Bereitstellung neuer Dienste (Cloud-Telefonie, Unified Communications)
  • IPv6-Support, QoS-Mechanismen (DiffServ, VLAN-Priorisierung für VoIP)

Typische Architektur (vereinfacht)

Endgerät (SIP-Phone / Softphone)
         
  SIP Signalisierung (Port 5060/5061)
         
    VoIP-Provider SBC (Session Border Controller)
         
RTP Sprachströme (UDP Ports 1000020000)
         
  All-IP Netz (Carrier Backbone)
         
Gegenstelle (SIP-Phone / PSTN-Gateway)

Unterschiede und Zukunftssicherheit

Technologie Typ Signalisierung Sprachübertragung Status
ISDN leitungsvermittelt Q.931 (D-Kanal) 64 kbit/s B-Kanäle Veraltet
VoIP paketvermittelt unterschiedlich (meist SIP) RTP über UDP Standard
SIP Signalisierungsprotokoll Textbasiert (RFC 3261 nicht zuständig (nur Steuerung) Standard
All-IP Netzarchitektur SIP (Signalisierung), RTP (Medien) Alles über IP Zukunft

Fazit:

  • ISDN wird weltweit abgeschaltet.
  • VoIP ist die Transporttechnologie der Gegenwart.
  • SIP ist das dominierende Signalisierungsprotokoll.
  • All-IP ist die Infrastruktur, die alles zusammenführt und langfristig Bestand haben wird.

GNU

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