(0 Abstimmungen)
OE9NGH Kiwi SDR in Betrieb

Der Kiwi, der die Welt hört –
eine kleine Geschichte über den KiwiSDR2

Der KiwiSDR2 ist weit mehr als nur ein moderner Kurzwellenempfänger. Er verbindet klassische Funktechnik mit SDR, Netzwerk, GPS und Internet und ermöglicht es, Empfangsbedingungen an nahezu jedem Ort der Welt unmittelbar selbst zu erleben. Eine kleine Geschichte über einen Empfänger, der die Kurzwelle auf eine ganz neue Art zugänglich macht.

Es ist später Abend. Draußen ist es längst dunkel geworden und im Shack herrscht jene besondere Ruhe, die viele Funkamateure kennen. Der Transceiver ist ausgeschaltet, nur einige LEDs leuchten noch. Eigentlich könnte man den Tag beenden.

Doch dann fällt der Blick auf den kleinen Empfänger neben dem Netzwerk-Switch.

Ein unscheinbares Aluminiumgehäuse, ein Antennenanschluss, Ethernet, GPS – und kaum etwas, was auf den ersten Blick verraten würde, welche Welt sich darin verbirgt.

Der Browser wird geöffnet.

Wenige Sekunden später erscheint ein Spektrum. Darunter läuft der Wasserfall langsam nach unten. Hier ein schmaler Träger, dort ein SSB-Signal, weiter unten eine ganze Gruppe digitaler Aussendungen.

Der kleine Empfänger hört.

Und zwar fast die gesamte Welt unterhalb von 30 MHz.

Sein Name: KiwiSDR2.

Ein Empfänger ohne Drehknopf

Wer mit klassischen Kommunikationsempfängern aufgewachsen ist, kennt das Ritual: Gerät einschalten, HF-Regler einstellen, Band wählen und langsam mit dem Abstimmknopf durch die Frequenzen fahren.

Vielleicht muss noch ein Preselector nachgezogen werden, vielleicht wird die Bandbreite verändert. Das eigentliche Hören beginnt aber immer mit einem Knopf an der Frontplatte.

Beim KiwiSDR2 gibt es diesen großen Abstimmknopf nicht.

Eigentlich gibt es überhaupt keine klassische Frontplatte.

Der Empfänger kann irgendwo im Haus, im Shack oder sogar einige Kilometer entfernt an einem ruhigen Empfangsstandort stehen. Die Bedienoberfläche befindet sich dort, wo man sie benötigt: im Webbrowser.

Ein Mausklick in den Wasserfall genügt und schon hört man eine andere Frequenz. AM, USB, LSB, CW oder digitale Signale erscheinen nicht mehr nur als Zahlen auf einer Skala. Man kann sie sehen.

Vielleicht ist genau das sein besonderer Reiz:

Er sieht nicht aus wie ein klassischer Weltempfänger – aber er verhält sich wie eine komplette Empfangsstation.

Geboren in Neuseeland

Es passt irgendwie, dass ein Empfänger, mit dem man die halbe Welt belauschen kann, ausgerechnet aus Neuseeland kommt.

Hinter dem KiwiSDR steht keine riesige Elektronikfirma mit Tausenden Mitarbeitern. Das Projekt ist vielmehr aus einem kleinen und ausgesprochen amateurfunknahen Umfeld entstanden.

Entwickelt wurde der KiwiSDR von John Seamons, ZL4VO/KF6VO. Seit den ersten Geräten hat sich das Projekt kontinuierlich weiterentwickelt. Neue Decoder und Erweiterungen kamen hinzu, Fehler wurden beseitigt und Wünsche aus der Anwendergemeinschaft fanden ihren Weg in die Software.

Damit steckt hinter dem Kiwi etwas, das im Amateurfunk sympathisch vertraut wirkt:

Eine gute technische Idee wird nicht einfach abgeschlossen und verkauft. Sie entwickelt sich weiter.

Der eigentliche Zauber beginnt mit einem Netzwerkkabel

Bei vielen SDR-Empfängern gehört ein Computer zwingend zur Empfangsanlage. USB-Kabel anschließen, Treiber installieren, SDR-Software konfigurieren, Samplingrate einstellen und Audio einrichten.

Der KiwiSDR geht einen anderen Weg.

Die notwendige Rechner- und Serversoftware arbeitet direkt im Gerät. Der Empfänger benötigt deshalb keinen dauerhaft angeschlossenen PC.

Im Prinzip genügt:

  • Antenne anschließen
  • Stromversorgung anschließen
  • Ethernet-Verbindung herstellen
  • Webbrowser öffnen

Für Funkamateure eröffnet das interessante Möglichkeiten.

Der Empfänger muss nämlich nicht dort stehen, wo der Operator sitzt.

Er kann dort stehen, wo der Empfang gut ist.

Die Antenne darf dort wohnen, wo es ruhig ist

Wer heute in dicht besiedelten Gebieten Kurzwelle empfängt, kennt einen Gegner, gegen den selbst der beste Empfänger nur wenig ausrichten kann: lokale Störungen.

Schaltnetzteile, LED-Lampen, Photovoltaik-Wechselrichter, Computer, Netzwerktechnik und zahlreiche elektronische Geräte erzeugen ein Grundrauschen, das besonders auf den unteren Kurzwellenbändern problematisch sein kann.

Ein extrem empfindlicher Empfänger hilft wenig, wenn direkt am Antenneneingang bereits ein hoher Störpegel anliegt.

Der KiwiSDR bietet hierfür eine elegante Lösung.

Warum sollte der Empfänger überhaupt im eigenen Shack stehen?

Vielleicht gibt es einige Kilometer entfernt eine kleine Hütte, einen Bauernhof, eine Clubstation oder einen anderen ruhigen Antennenstandort. Dort hängt eine Loop, ein langer Dipol oder eine breitbandige Empfangsantenne. Direkt daneben arbeitet der KiwiSDR2.

Das HF-Signal wird bereits dort empfangen und digital verarbeitet. Zum Operator gelangen anschließend nur noch die Daten über das Netzwerk.

Man sitzt im eigenen Shack – aber die Ohren befinden sich einige Kilometer entfernt.

Und dann kam die Weltkarte

Noch faszinierender wird es, wenn Betreiber ihren KiwiSDR öffentlich zugänglich machen.

Dann wird aus einem einzelnen Empfänger ein Teil eines weltweiten Empfangsnetzes.

Man öffnet eine Karte mit öffentlich erreichbaren KiwiSDR-Stationen und findet Empfänger in Europa, Nordamerika, Südamerika, Afrika, Asien, Australien und Neuseeland.

Ein Klick – und man hört Kurzwelle aus Großbritannien.

Noch ein Klick – und die virtuelle Antenne befindet sich in Japan.

Kurz darauf hört man Mittelwelle aus Kanada oder einen Amateurfunk-Contest aus Italien. Vielleicht taucht sogar eine Rundfunkstation auf, die am eigenen Standort kaum zu empfangen wäre.

Für Funkamateure ergibt sich daraus eine Möglichkeit, die vor wenigen Jahrzehnten noch beinahe Science-Fiction gewesen wäre:

Man kann selbst hören, wie das eigene Signal an einem weit entfernten Ort tatsächlich ankommt.

„Wie komme ich eigentlich in England an?“

Nehmen wir an, eine Station in Österreich ruft auf 40 Meter CQ.

Die Gegenstation meldet:

„Five and nine.“

Natürlich freut man sich.

Doch wie stark ist das Signal tatsächlich?

Also öffnet man nebenbei einen KiwiSDR in Süddeutschland. Das eigene Signal ist dort gut zu hören.

Danach folgt ein Empfänger in den Niederlanden.

Anschließend ein Kiwi im Süden Englands.

Und tatsächlich: Dort taucht das eigene SSB-Signal im Wasserfall auf.

Das ist mehr als Spielerei.

Damit lassen sich beispielsweise:

  • Antennen vergleichen,
  • Abstrahlrichtungen beurteilen,
  • Ausbreitungsbedingungen beobachten,
  • verschiedene Sendeleistungen vergleichen,
  • Störungen erkennen und
  • Veränderungen an der eigenen Station beurteilen.

Der Wasserfall erzählt Geschichten

Wer längere Zeit mit einem KiwiSDR hört, beginnt den Wasserfall anders zu betrachten.

Am Anfang sieht man nur Linien.

Später erkennt man Muster.

Ein breites AM-Signal sieht anders aus als SSB. CW erscheint als sehr schmale Linie. Digitale Betriebsarten besitzen wieder andere charakteristische Strukturen.

Ein Rundfunksender beginnt exakt zur vollen Stunde. Ein anderes Signal verschwindet langsam, während sich die Bedingungen in der Ionosphäre verändern.

Man merkt plötzlich, dass ein Frequenzband nicht einfach nur „offen“ oder „geschlossen“ ist.

Es lebt.

Signale tauchen auf, werden stärker und verschwinden wieder.

Und manchmal erscheint mitten im Rauschen etwas, das man nicht erwartet hat.

Genau dann beginnt der alte Reiz des Kurzwellenhörens wieder:

  • Was ist das?
  • Woher kommt das Signal?
  • Welche Sprache wird gesprochen?
  • Ist es eine Bake?
  • Ein Funkamateur?
  • Eine digitale Übertragung?

Der KiwiSDR liefert dafür längst mehr als nur Audio. Verschiedene Software-Erweiterungen und Decoder unterstützen bei der Analyse unterschiedlicher Signalarten.

GPS – mehr als nur eine genaue Uhrzeit

Ein weiterer interessanter Bestandteil des KiwiSDR ist die GPS-Unterstützung.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, GPS diene lediglich dazu, dem Empfänger eine exakte Uhrzeit zu liefern.

Doch dahinter steckt mehr.

Die GPS-Information kann zur zeitlichen und frequenzmäßigen Referenzierung des Empfangssystems verwendet werden.

Damit wird unter anderem eine der spannendsten Funktionen des KiwiSDR-Ökosystems möglich:

TDoA – Time Difference of Arrival

Sender über Laufzeitunterschiede lokalisieren

Mehrere geografisch getrennte KiwiSDR-Empfänger empfangen dasselbe Signal.

Da ihre Zeitreferenzen bekannt sind, lassen sich kleinste Unterschiede in den Ankunftszeiten eines Signals miteinander vergleichen.

Aus diesen Laufzeitdifferenzen kann die ungefähre Position eines Senders berechnet werden.

Was früher aufwendige Peilnetze erforderte, lässt sich damit für geeignete Signale über mehrere vernetzte SDR-Empfänger durchführen.

Aus einem kleinen Weltempfänger wird plötzlich ein Bestandteil eines weltweiten Funkpeilsystems.

Mehrere Hörer gleichzeitig

Der KiwiSDR muss sich nicht auf einen einzigen Hörer oder eine einzige Frequenz beschränken.

Bis zu acht Benutzer können gleichzeitig auf denselben Empfänger zugreifen und unabhängig voneinander verschiedene Frequenzen hören.

Während ein Benutzer beispielsweise auf 7 MHz einem SSB-QSO zuhört, kann ein anderer auf 14 MHz CW empfangen.

Ein dritter beobachtet digitale Signale und  weitere fünf hören Rundfunk.

Alle verwenden dieselbe Antenne.

Alle verwenden denselben Empfänger.

Und trotzdem kann jeder seinen eigenen Frequenzbereich auswählen.

Ein Radio ohne Zeiger – und trotzdem echtes Radio

Vielleicht liegt genau hier die Besonderheit des KiwiSDR2.

Er ersetzt nicht den klassischen Kommunikationsempfänger.

Es macht nach wie vor Freude, vor einem alten Drake, Collins, Rohde & Schwarz oder einem modernen Amateurfunktransceiver zu sitzen und einen echten Abstimmknopf zu drehen.

Der Kiwi bietet etwas anderes.

Er verbindet:

  • Radio mit Netzwerktechnik,
  • HF mit Digitaltechnik,
  • Antennen mit dem Internet,
  • GPS mit Signalverarbeitung und
  • lokale Empfangstechnik mit einer weltweiten Gemeinschaft.

Er kann selbständig im Keller, auf einem Berg oder in einer abgelegenen Hütte arbeiten.

Bedient wird er aus dem Nachbarzimmer, einer anderen Stadt oder sogar aus einem anderen Land.

Vielleicht erklärt gerade das seine große Beliebtheit unter Funkamateuren und Kurzwellenhörern.

Irgendwo ist gerade das Band offen

Es ist inzwischen nach Mitternacht.

Auf dem eigenen 20-Meter-Band scheint kaum noch etwas los zu sein. Der Wasserfall ist dunkel geworden.

Eigentlich wäre jetzt endgültig Zeit, den Browser zu schließen.

Doch bevor das geschieht, wandert der Mauszeiger noch einmal zur Weltkarte.

Australien.

Ein KiwiSDR irgendwo an der Ostküste.

Ein Klick.

Der Wasserfall erscheint.

Und plötzlich ist das Band voller Signale.

Für einen kurzen Moment sitzt man nicht mehr in Europa.

Die Antenne befindet sich auf der anderen Seite der Erde. Dort geht gerade die Sonne auf. Die Ionosphäre verändert sich. Stationen rufen CQ. Digitale Signale ziehen ihre charakteristischen Linien durch den Wasserfall.

Und während das eigene Shack längst in nächtlicher Stille liegt, hören unzählige kleine Empfänger auf der ganzen Welt weiter.

In Neuseeland.

In Kanada.

In Japan.

In Europa.

Vielleicht ist das die schönste Beschreibung des KiwiSDR:

Er ist kein Empfänger, mit dem man nur die Kurzwelle hört.

Er ist ein Empfänger, mit dem man hören kann, wie die Welt die Kurzwelle hört.

GNU

📡

OE9NGH HF WebSDR

Du verfügst über keine geeigneten LW/MW/KW Empfangsanlage, möchtest aber mit einem modernen Software Defined Radio (SDR) einmal in die einzelnen Bänder hineinhören. Mit dem OE9NGH Web SDR hast du die Möglichkeit im Frequenzbereich von 0,01 bis 30MHz Rundfunksender, Amateurfunk und sonstige Aussendungen zu empfangen, bzw. zu entdecken. Der SDR unterstütz dabei alle gängigen Demodulationsverfahren, wie beispielsweise CW, AM, LSB, USB und FM. Ebenso kann auch noch auf die Bandbreite Einfluss genommen werden. Für technisch versierte USER besteht die Möglichkeit die Q/I Empfangssignale noch vor der Demodulationsstufe selbst weiter zu verarbeiten. Neben den üblichen Leistungsmerkmalen eines Communications Receivers, werden noch weitere interessante Features, wie CW decoder, CW skimmer, DRM decoder, FSK decoder, TIME decoder, FAX um nur einige zu nennen, bereitgestellt

Der OE9NGH Web SDR ist einer von vielen Web SDR die von den einzelnen Betreiber der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit auch auf Web SDR Geräte auf anderen Kontinenten in entfernten Länder einmal hinein zu schnuppern.

OE9NGH WebSDR live öffnen
Der OE9NGH WebSDR wird aufgrund der Sicherheitseinstellungen des 1Atelefon.at Servers in einem neuen Browser-Tab geöffnet.
WebSDR Map öffnen
Die Web SDR Map wird aufgrund der Sicherheitseinstellungen des 1Atelefon.at Servers in einem neuen Browser-Tab geöffnet.
📡

QO-100 Narrowband WebSDR

Hier kannst Du den geostationären Amateurfunksatelliten QO-100 live über den Narrowband-WebSDR der British Amateur Television Club (BATC) Groundstation hören.

Der WebSDR ermöglicht den Empfang des gesamten Narrowband-Transponders einschließlich Waterfall-Anzeige, Frequenzabstimmung und Audio-Wiedergabe direkt im Webbrowser.

QO-100 WebSDR live öffnen
Der WebSDR wird aufgrund der Sicherheitseinstellungen des BATC-Servers in einem neuen Browser-Tab geöffnet.